Theoretische Ausbildung
Die theoretische Ausbildung findet i.d.R. ein- bis zweimal monatlich in Blockveranstaltungen (freitags und samstags) statt. Die Seminare sind inhaltlich in drei Bereiche gegliedert:
- Störungsspezifische Seminare, die Informationen über ein Störungsbild und die entsprechenden verhaltenstherapeutischen Behandlungsstrategien vermitteln
- Methodenorientierte Kurse
- Seminare zu institutionellen und rechtlichen Rahmenbedingungen psychotherapeutischer Tätigkeit.
Die einzelnen Veranstaltungen sowie deren Verteilung über die drei Studienjahre sind im Curriculum für die theoretische Ausbildung enthalten.
Praktische Ausbildung unter Supervision (Patientenbehandlungen)
Um frühzeitig theoretische und praktische Ausbildung aufeinander beziehen zu können, wird ein zügiger Beginn nach der Zwischenprüfung angestrebt. Neben der Vermittlung von “praktischem Handwerkszeug” im Rahmen der bis dahin stattgefundenen Theorieseminare erfolgt kurz vor Beginn der praktischen Ausbildung ein Ambulanzseminar zur Vermittlung ambulanzrelefavnter Informationen und Abläufe.
Die Behandlungen der praktischen Ausbildung werden in den Ausbildungseinrichtungen des Instituts für Psychologische Psychotherapieausbildung IPP Halle durchgeführt.
Die Supervision findet zu fest definierten Zeitpunkten in den Räumen des IPP Halle in der Magdeburger Straße 16 statt und wird durch das Ausbildungsinstitut organisiert. Sie wird gleichmäßig über den gesamten Ausbildungszeitraum in hoher Dichte durchgeführt:
- Die Supervision in der Gruppe findet aller vier Wochen statt, so dass mindestens jede vierte Behandlungsstunde supervidiert wird.
- An jedem vierten Supervisionstermin findet die Supervision im Einzelsetting statt.
- Unsere Videoanlagen ermöglichen es, dass alle Behandlungsstunden auf Video aufgezeichnet werden können, so dass die Supervisoren einen unmittelbaren Eindruck vom Patienten erhalten und in der Supervision anhand von Videoausschnitten besondere interaktionelle Aspekte besprechen können.
- Bei der Auswahl der Supervisoren wurde besonders auf eine mindestens fünfjährige psychotherapeutische Tätigkeit geachtet. Alle Supervisoren des IPP Halle verfügen über Lehrerfahrungen und mehrjährige Supervisionserfahrung. Darüber hinaus zeichnen sich einige Dozenten als Spezialisten für bestimmte Störungsbilder aus und sind für diese bei schwierigen Behandlungen für alle Teilnehmer ansprechbar.
- Neben der Fachsupervision haben wir die kollegiale Intervision etabliert, die alle Psychotherapeuten in Ausbildung nach einer Einführung in die Methodik regelmäßig durchführen. Die Stunden der kollegialen Supervision werden im Rahmen der „freien Spitze“ angerechnet.
Selbsterfahrung
Die Selbsterfahrung beschäftigt sich mit den persönlichen Voraussetzungen des Ausbildungsteilnehmers für das therapeutische Handeln und Erleben, mit seinem Handeln und Erleben in der therapeutischen Beziehung und seiner persönlichen Entwicklung und Rollenfindung im Ausbildungsverlauf.
Die Selbsterfahrung findet in festen Kleingruppen mit ca. acht Personen statt. Jede Gruppe wird im Ausbildungszeitraum von einem fest zugeordneten erfahrenen Selbsterfahrungsleiter begleitet. Pro Ausbildungsjahr gibt es fünf Veranstaltungen à acht Stunden.
Praktische Tätigkeit
Die praktische Tätigkeit umfasst 1800 Stunden. Sie setzt sich zusammen aus:
- 1200 Stunden stationärer klinisch-psychiatrischer Tätigkeit (min. 1 Jahr)
- 600 Stunden ambulanter psychotherapeutischer Tätigkeit (min 1⁄2 Jahr).
Die praktische Tätigkeit soll in der ersten Hälfte der Ausbildung absolviert werden. Ausbildungsteilnehmer, die zum Ausbildungsbeginn über ein Promotionsstipendium oder über eine Promotionsstelle verfügen, können das praktische Jahr in der Psychiatrie auch im Anschluss an das Stipendium oder die Promotionsstelle absolvieren.
Während der praktischen Tätigkeit in der klinisch-psychiatrischen Einrichtung soll der Ausbildungsteilnehmer jeweils über einen längeren Zeitraum an der Diagnostik und Behandlung von mindestens 30 Patienten beteiligt werden und dabei Kenntnisse und Erfahrungen über die akute, abklingende und chronifizierte Symptomatik unterschiedlicher psychiatrischer Erkrankungen erwerben.
Folgende psychiatrisch-klinische Einrichtungen stellen Ausbildungsplätze für die mindestens einjährige stationäre praktische Tätigkeit zur Verfügung:
- Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Halle/ Saale
- Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz
- AMEOS Klinikum Haldensleben
- Helios Klinik Hettstedt
- Carl-von-Basedow Klinikum Saalekreis GmbH, Querfurt
- Südharz-Krankenhaus Nordhausen gGmbH
- Klinikum Magdeburg gGmbH
- Klinikum Burgenlandkreis GmbH
Eine entsprechende Kooperation mit weiteren vergleichbaren Einrichtungen in Sachsen-Anhalt, Sachsen sowie Thüringen ist in Planung.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich eigenständig einen entsprechenden Ausbildungsplatz in anderen klinisch-psychiatrischen Einrichtungen zu suchen. Bitte beachten Sie, dass eine Anerkennung für die Ausbildung nur möglich ist, wenn ein in der Einrichtung tätiger Arzt (meist in leitender Position) die Weiterbildungsermächtigung für Psychiatrie und Psychotherapie besitzt.
Für die ambulante praktische Tätigkeit (600 Std.) stehen Ausbildungsplätze in den Ausbildungsambulanzen des IPP sowie in den kooperierenden klinisch-psychiatrischen Einrichtungen (sofern diese eigene Institutsambulanzen besitzen) zur Verfügung.
„Freie Spitze“
Die „freie Spitze“ umfasst laut PsychTh-APrV mindestens 930 Stunden. Sie gibt den Instituten die Möglichkeit, Schwerpunktsetzungen vorzunehmen und ihr spezifisches Profil zu betonen.
Das IPP Halle möchte im Rahmen der „freien Spitze“ zum einen die theoretische und praktische Vertiefung in einem der Forschungs- und Anwendungsschwerpunkte des kooperativen Verbundes von Universität und Christoph-Dornier-Stiftung gezielt fördern (Kongresse, Tagungen, Symposium der CDS).
Zum Anderen soll die praktische Ausbildung durch die kollegiale Intervision vertieft werden. Das detaillierte Curriculum der „freien Spitze“ befindet sich in der Übersicht.